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Review von Markus Brandstetter

Es ist sicher nicht leicht, U2 zu sein. Leider hört man das dem neuen Album der Iren auch ziemlich an. Handwerklich tadellos nach dem bewährten Rezept gefertigt, jagt sich das irische Quartett auf seinem vierzehnten Longplayer ständig selbst hinterher. U2 Kulinarik für U2 Fans nur leider ohne wirklich große U2 Songs. das großartige „Moment Of Surrender“) hervorbrachte, zitieren sich Bono Co auf „Songs Of Experience“ in besseren Momenten selbst. Etwa mit dem 80er reminiszenten „Red Flag Day“ einem der wenigen Refrains, die hängen bleiben. In schlechten Momenten klingen sie wie Stadionrock Dienstleister mit Blick aufs Girokonto.

Einige Songs wurden vorab als Singles veröffentlicht. Der obligatorische Kracher „The Blackout“ (siehe „Elevation“, siehe „Vertigo“ et cetera), der knackige, aber irgendwie etwas zusammengewürfelt klingende Popsong „You’re The Best Thing About Me“, die nette „Beautiful Day“ Verwässerung „Get Out Of Your Own Way“: diese Stücke sind markanter als alles andere, das „Songs Of Experience“ sonst noch so in petto hat.

Eigentlich hätte „Songs of Experience“, der Nachfolger des 2014 erschienenen Apple Cloud Geschenks „Songs Of Innocence“, ja schon vor längerer Zeit erscheinen sollen nur kamen lästige Dinge dazwischen. Der Fahrradunfall von Bono, die Wahl von Donald Trump als US Präsident, der Brexit immer und wieder musste und wollte man umdisponieren, terminlich, musikalisch, textlich. Im Endeffekt wurde „Songs Of Experience“ ein zwar politisch gemeintes, aber seltsam altersmildes, etwas trübes Album zwischen Liebesbekundung, Nostalgie und Sozialkritik.

Bei der Produktion waren wieder einmal viele Köche am Brei: Jacknife Lee (U2, Snow Patrol, The Killers also alle Bands, wie wie U2 klingen wollen), Ryan Tedder (Adele, Beyonc, One Direction, Maroon 5), auch Produzenten Altmeister Steve Lillywhite und Jolyon Thomas durften Hand anlegen.

Thematisch setzt der wie gewohnt sendungsbewusste Bono hässlichen Zeiten einen ganz ironiefreien Optimismus entgegen. „Love, love is all we have left, a baby cries on the doorstep, love is all we have left“, singt er bereits im Opener „Love Is All We Have Left“, nachdem er uns kurz zuvor versprochen hat, dass diesen Tag nichts davon abhält, der beste ever zu sein. Dann übernimmt Autotune Bono: „Now you’re at the other end of the telescope, seven billion stars in her eyes, so many stars so many ways of seeing, hey, this is no time not to be alive“.

Um’s noch staatstragender zu machen hat sich das Quartett von Kendrick Lamar zwischen „Get Out Of Your Own Way“ und „American Soul“ einen Text einsprechen lassen. „Blessed are the bullies, for one day they will have to stand up to themselves / Blessed are the liars for the truth can be awkward“, danach widmet sich Bono der amerikanischen Seele und singt „For refugees like you and me / A country to receive us / Will you be our sanctuary / Refu Jesus“. Dazu rocken U2 standardmäßig durch einen Standard U2 Rocksong.

Ganz am Schluss gibt’s mit „13 (There Is A Light)“ noch mal ein thematisches Da Capo von „Song For Someone“ (2014) mit viel Pomp und Atmosphäre. „I know the world is done / But you don’t have to be / I have a question for the child in you before it leaves / Are you tough enough to be kind / Do you know your heart has its own mind / Darkness gathers around the lights / Hold on, hold on“, singt Bono zum Abschluss. Kurz danach setzt er, gemeinsam mit The Edge, nochmal zum „Song For Someone“ Refrain an.

Am Ende ist „Songs Of Experience“ der schwachbrüstigere Aufguss von „Songs Of Innocence“. Zwei Alben, die in ihrer Gesamtheit nicht das einlösen konnten, was sie versprochen hatten „Songs Of Experience“ noch viel weniger als „Songs Of Innocence“.

Die Art und Weise, wie sich die Dubliner hier zurückmelden, macht Spaß. Brimborium und Kokolores bleiben wohltuend in der Mottenkiste. Für ihre Verhältnisse kommt alles nahezu bescheiden um die Ecke und konzentriert sich deutlich auf die musikalische Bandchemie.

Nach langer Zeit stellt sich das angenehme Gefühl ein, es hier nicht durchgehend mit vier Einzelakteuren zu tun zu haben, die ihre Tracks per Patchwork zusammenschrauben.
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